Raumakustik

Nachhallzeit (ISO 3382) und Sprachverständlichkeit (IEC 60268-16)

In der Raumakustik werden die akustischen Eigenschaften eines Raums untersucht, um seine Eignung für Sprache, Musik oder andere Nutzungen zu bewerten. Anders als die Bauakustik, die sich mit der Schallübertragung zwischen Räumen befasst, betrachtet die Raumakustik die Ausbreitung des Schalls innerhalb eines einzelnen Raums. Die akustischen Eigenschaften werden durch schallreflektierende und schallabsorbierende Oberflächen bestimmt und beeinflussen maßgeblich, wie klar Sprache wahrgenommen wird oder wie natürlich Musik klingt. Die Analyse dieser Eigenschaften mittels geeigneter Messverfahren ist wichtig, um die Raumakustik optimal an die jeweilige Nutzungsart anzupassen. Wichtige Beurteilungsgrößen für die Bewertung der Raumakustik sind vor allem die Nachhallzeit und die Sprachverständlichkeit.

Die Nachhallzeit (T60) bezeichnet die Zeit, die der Schalldruckpegel benötigt, um nach dem Verstummen der Geräuschquelle um 60 Dezibel abzuklingen. Zur Bestimmung der Nachhallzeit wird in der Regel ein Dodekaeder-Lautsprecher verwendet, der Schallimpulse gleichmäßig in alle Richtungen abstrahlt. Nach dem abrupten Abschalten der Schallquelle wird die Abklingzeit mit einem Schallpegelmesser aufgezeichnet und ausgewertet. Genaue Vorgaben zur Messung und spezifische Anforderungen sind für Aufführungsräume in der DIN EN ISO 3382-1, für gewöhnliche Räume in der DIN EN ISO 3382-2 und für Großraumbüros in der DIN EN ISO 3382-3 definiert. Eine kurze Nachhallzeit verbessert die Sprachverständlichkeit, während für die optimale Klangentfaltung von Musik eine längere Nachhallzeit von Vorteil ist.

Die Sprachverständlichkeit beschreibt, wie gut gesprochene Informationen in einem Raum wahrgenommen und verstanden werden können. Dabei wird sowohl die direkt von einer Person ausgehende Sprache als auch die über eine Beschallungsanlage übertragene Sprache bewertet. Der Speech Transmission Index (STI) ist hierfür ein etablierter Bewertungsparameter, der die Sprachverständlichkeit objektiv anhand einer Skala von 0 (unverständlich) bis 1 (sehr gut verständlich) angibt. Die Norm DIN EN 60268-16 legt das Verfahren zur Bestimmung des STI fest und beschreibt zusätzlich die vereinfachte STIPA-Methode, die insbesondere für die Bewertung von Beschallungs- und Evakuierungsanlagen vorgesehen ist. Beide Methoden basieren darauf, dass ein definiertes Prüfsignal über einen normgerechten Lautsprecher ausgesendet und die Empfangsqualität an verschiedenen Messpunkten mit einem Schallpegelmesser aufgezeichnet und ausgewertet wird.

Vorgaben zu raumakustischen Anforderungen, etwa an Nachhallzeit und Sprachverständlichkeit, sind in der DIN 18041 (Hörsamkeit in Räumen), in der VDI 2569 (Büroräume) sowie in der ASR A3.7 (Arbeitsstätten) enthalten. Grundlage dieser Regelwerke bilden die Messverfahren der DIN EN ISO 3382 und der DIN EN 60268-16, die eine objektive und vergleichbare Bewertung der Raumakustik ermöglichen.