In der Materialprüfung werden verschiedene Werkstoffe auf ihre akustischen Eigenschaften hin untersucht. Da die Anforderungen der Kunden an die akustische Qualität von Produkten sowie die gesetzlichen Vorgaben zu sinkenden Lärmgrenzwerten stetig steigen, gewinnt die technische Akustik in Entwicklung und Planung zunehmend an Bedeutung. Für Ingenieure, Designer und Architekten ist es daher entscheidend, die akustischen Eigenschaften der verwendeten Materialien genau zu kennen.
Um eine Umgebung bestmöglich akustisch zu gestalten, ist es notwendig, nicht nur einzelne Materialien zu bewerten, sondern auch das Zusammenspiel verschiedener Komponenten zu verstehen. Ziel ist es, durch eine geeignete Materialkombination optimale Eigenschaften im Hinblick auf Klangqualität und Lärmreduzierung zu erzielen. In der Bauakustik spielen hierbei vor allem die Schalldämmwerte und in der Raumakustik der Absorptionsgrad, der Strömungswiderstand sowie die dynamische Steifigkeit eine zentrale Rolle. Auch in der Entwicklung neuer, geräuschoptimierter Produkte, beispielsweise in der Automobil- oder Luftfahrtindustrie, sind präzise Materialprüfverfahren unverzichtbar.
Die Messungen erfolgen meist in spezialisierten Prüflaboren oder direkt in den Entwicklungsabteilungen mithilfe moderner Messsysteme. Die jeweiligen Verfahren sind in den entsprechenden Normen festgelegt und gewährleisten eine hohe Vergleichbarkeit und Reproduzierbarkeit der Ergebnisse.
Ein häufig eingesetztes Verfahren ist die Bestimmung der Oberflächenimpedanz und des Schallabsorptionsgrades mithilfe eines Impedanzrohres (Kundtsches Rohr), beispielsweise mit dem Nor1527. Die Normen DIN EN ISO 10534-2 und ASTM E1050 beschreiben dieses Verfahren. Es bietet eine schnelle und kostengünstige Möglichkeit, den Schallabsorptionsgrad kleiner Proben schallabsorbierender Materialien wie Schaumstoffe zu bestimmen. Zur Ermittlung der Schalldurchgangsdämpfung wird das Übertragungsmatrix-Verfahren nach ASTM E2611 angewendet, das mithilfe eines Impedanzmesskanals mit vier Mikrofonen durchgeführt wird.
Der Strömungswiderstand poröser Materialien lässt sich gemäß DIN ISO 9053-2 mit dem Luftwechselstromverfahren bestimmen, beispielsweise mit dem Messsystem Nor1517A. Dieses Verfahren ermöglicht eine einfache und präzise Bestimmung der akustisch relevanten Strömungseigenschaften von Materialien wie Schaumstoffen, Vliesen oder Textilien. Der gemessene Strömungswiderstand ist eine wesentliche Kenngröße für die Beurteilung der Schallabsorption und wird häufig in Entwicklung und Qualitätssicherung eingesetzt.
Für die Bewertung von Trittschalldämmstoffen ist die dynamische Steifigkeit ein wichtiger Indikator. Sie beschreibt das Federungsvermögen einer Dämmschicht und wird nach DIN EN 29052-1 gemessen. Ein Messgerät, das nach der in der Norm beschriebenen Referenzmethode der sinusförmigen Anregung arbeitet, ist das DYPS 3. Die ermittelte dynamische Steifigkeit ermöglicht eine zuverlässige Beurteilung der Trittschalldämmwirkung und unterstützt die Entwicklung effizienter Bodenaufbauten.