Aeroakustik

Anwendungen in der Luftfahrt

Die Aeroakustik ist ein Teilgebiet der Akustik und befasst sich mit der Entstehung und Ausbreitung von Geräuschen, die durch turbulente Strömungen oder durch die Wechselwirkung aerodynamischer Kräfte mit festen Oberflächen entstehen. Sie spielt eine zentrale Rolle in der Konstruktion und Entwicklung von Flugzeugen, Kraftfahrzeugen und Windenergieanlagen. Ziel ist es, Lärmemissionen, Vibrationen und strukturelle Belastungen zu reduzieren und gleichzeitig die Effizienz zu steigern.

Im aeroakustischen Kontext unterscheidet man im Wesentlichen zwischen Außenlärm (external noise) und strömungsinduzierten Geräuschen, die häufig auch als Pseudoschall bezeichnet werden. Die Aeroakustik steht in engem Zusammenhang mit der aerodynamischen Effizienz: Geringe aeroakustische Emissionen weisen in der Regel auf eine niedrige Turbulenzintensität und eine optimierte Strömungsführung hin. Dieser Zusammenhang ist reziprok, das heißt, eine verbesserte Aerodynamik reduziert den Lärm, während gezielte Lärmminderungsmaßnahmen häufig auch die aerodynamische Leistungsfähigkeit erhöhen. Vor diesem Hintergrund verfolgt die Luftfahrtindustrie kontinuierlich das Ziel, leistungsfähigere, leisere und zugleich umweltverträglichere Flugzeuge zu entwickeln.

Analyse und Bewertung aeroakustischer Lärmquellen

In der aeroakustischen Entwicklung stehen praxisnahe Mess- und Analyseverfahren im Vordergrund, um Lärmquellen frühzeitig zu identifizieren und gezielt zu reduzieren. Bereits in frühen Entwicklungsphasen unterstützen CFD-basierte Simulationen (CAA) die Identifikation kritischer Strömungsbereiche mit erhöhtem Lärmpotenzial. Die Kombination aus numerischer Simulation und experimenteller Validierung ermöglicht es Ingenieuren, Entwürfe gezielt zu optimieren, Lärmminderungsmaßnahmen frühzeitig zu bewerten und Entwicklungsrisiken zu minimieren.

Da reale Flugtests mit erheblichem Aufwand verbunden sind, erfolgen viele aeroakustische Untersuchungen unter kontrollierten Bedingungen im Windkanal. Dort lassen sich aeroakustische Effekte reproduzierbar analysieren und konstruktive Maßnahmen systematisch vergleichen und bewerten. Untersucht werden unter anderem Triebwerks- und Strahlgeräusche sowie strömungsinduzierte Geräusche der Flugzeugzelle. Komponenten wie Fahrwerk, Klappen, Vorflügel und andere Hochauftriebssysteme tragen maßgeblich zu den Gesamtschallemissionen eines Flugzeugs bei und stehen daher ebenfalls im Fokus der Messungen.

Ergänzend werden akustische Ermüdungserscheinungen und Stoßwellengeräusche analysiert, um strukturelle Belastungen und langfristige Materialbeanspruchungen bewerten zu können. Häufig kommen dabei maßstabsgetreue Modelle oder einzelne Bauteile zum Einsatz, was präzise Messungen im Hochfrequenzbereich erforderlich macht. Windkanaltests und detaillierte Lärmweganalysen sind damit ein wesentlicher Bestandteil der Konstruktion, Zertifizierung und des Betriebs moderner Luftfahrzeuge.

Akustische Sensoren am Flugzeugrumpf ermöglichen darüber hinaus die quantitative Erfassung von Innen- und Außengeräuschen sowie die Bewertung der Lärmausbreitung entlang der Struktur im realen Flugbetrieb. Um Messverfälschungen durch strömungsinduziertes Eigengeräusch zu vermeiden, werden bevorzugt niedrigprofilige Mikrofone eingesetzt, die den lokalen Strömungsverlauf nicht beeinflussen.

Für diese Anwendungen ist eine breite Palette spezialisierter Mikrofonlösungen für Windkanalversuche und Messungen im realen Flugbetrieb verfügbar. Aeroakustische Untersuchungen leisten damit einen entscheidenden Beitrag zu leiseren, effizienteren und zulassungsfähigen Luftfahrzeugen.

Grenzschichtmessungen

Ein besonderer Schwerpunkt aeroakustischer Untersuchungen in der Luft- und Raumfahrt liegt auf Messungen innerhalb der Grenzschicht (TBL). Diese sind entscheidend für das Verständnis der Schallentstehung an Oberflächen und gewinnen zunehmend an Bedeutung. Ziel ist es, das eigentliche akustische Signal (Nutzsignal) von den durch die Strömung verursachten turbulenten Druckschwankungen zu trennen.

Die Anwendungsbereiche reichen von der Bestimmung der von einer Struktur abgestrahlten Schallleistung über die Lokalisierung von Schallquellen mithilfe von Mikrofonarrays bis hin zur Erfassung der turbulenten Druck- und Schubspannungen, denen eine Struktur ausgesetzt ist. Die Grenzschichttheorie erfordert, dass Messungen unmittelbar an der Oberfläche durchgeführt werden, da sich die statistischen Eigenschaften der Strömung bereits in geringem Abstand von der Wand deutlich verändern. Gleichzeitig darf die Geometrie der Struktur nicht beeinflusst werden, da selbst kleinste Änderungen das Strömungsfeld und die Schallentstehung signifikant verändern können.

Aufgrund der hohen Komplexität von Grenzschichtdruckmessungen ist die realistische Simulation aeroakustischer Effekte weiterhin anspruchsvoll und erfordert häufig iterative Validierungsprozesse. Fortschritte in der Rechenleistung in Kombination mit hochpräzisen Messmikrofonen ermöglichen heute jedoch sowohl detaillierte Windkanaluntersuchungen als auch Messungen im realen Flugbetrieb. Dadurch lassen sich neue luftfahrttechnische Konzepte untersuchen, innovative Entwürfe experimentell mit CFD-Modellen abgleichen und bestehende Vorhersagemodelle zuverlässig validieren.

Montage der Mikrofone

Für Grenzschichtmessungen stehen grundsätzlich zwei Montagearten für Mikrofone zur Verfügung: intrusive Verfahren (bündige bzw. versenkte Montage) und nicht-intrusive Verfahren (Oberflächenmontage). Die bündige Montage (flush-mounting) gilt als bevorzugte Lösung, da das Mikrofon plan mit der Oberfläche abschließt und keine zusätzlichen Strömungsstörungen oder Turbulenzen erzeugt. Geeignete Lösungen sind beispielsweise das Mikrofon 47BG-FV mit einer montageoptimierten, platzsparenden Halterung.

In bestimmten Anwendungen ist eine bündige Montage jedoch nicht möglich, etwa wenn kein Bauraum unter der Oberfläche vorhanden ist, Bauteile nicht modifiziert werden dürfen oder lediglich eine kurzfristige Messung erforderlich ist. In solchen Fällen stellen oberflächenmontierte Mikrofone (surface-mounting) wie das Ultra-Thin Precision (UTP)-Mikrofon mit einer Bauhöhe von lediglich 1 mm eine leistungsfähige Alternative dar.

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